Pfingstmarkt in Merchingen
456. Merchinger Pfingstmarkt
Einmal im Jahr, von Samstag bis Dienstag an Pfingsten, verwandelt sich der Schlossplatz in Merchingen neben der „alla-hopp!“-Anlage in einen Festplatz mit Vergnügungspark: Autoscooter, Kinderkarussell, Schießstand, Spiel- und Losbuden sowie Marktständen, einem Flohmarkt am Sonntag & Montag, einer Schlepper- und Oldtimerausstellung am Pfingstmontag und weiteren Attraktionen.
Auf dem Schlossplatz erwartet die Gäste an allen vier Tagen ein vielseitiges Bewirtungsangebot:
Grillstand: Feuerwürste und Bratwürste, Pommes, Käsespätzle, Gyros, Tornado-Potatoes, Hähnchen am Montag und Dienstag,
original ungarisches Langosch, Softeis, Crêpes, erfrischende Getränke, Weine und Cocktails am Getränke- und Weinwagen...
Pfingstmontag und Dienstag wird zusätzlich aus der Schlossküche im historischen Schlosssaal serviert.
Pfingstsonntag bis Dienstag gibt es im Schlosssaal an allen drei Tagen ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen.
Am Pfingstsamstag startet um 14 Uhr der Vergnügungspark mit dem Biergarten und an den übrigen Tagen jeweils ab 11:30 Uhr.
Pfingstsonntag
Bummeln, stöbern und feilschen, das ist auf dem Flohmarkt ab 14 Uhr und am Montag ab 10 Uhr möglich.
Um 16 Uhr wird der Pfingstmarkt im Festzelt offiziell mit einem Bieranstich eröffnet und startet musikalisch mit dem Musikverein Merchingen in die Hauptfesttage.
Pfingstmontag
laden um 10 Uhr mehrere Attraktionen ein - ein Festgottesdienst mit dem Posaunenchor Neunstetten
in der evangelischen Kirche – das Treffen der Schlepper- und Oldtimerfreunde in der Lindenstraße –
der Lernort Natur der Kreisjägervereinigung Buchen mit Einblicken in Wald, Wild und Natur –
der Flohmarkt und die Marktstände mit regionalen Produkten auf dem Schloss- und Lindenplatz.
Im Schloss gibt es ab 14 Uhr Livemusik mit dem „Akkordeonverein Ravenstein“
Im Rahmen des Jubiläums „20 Jahre Skulpturenradweg“ startet zugleich um 14 Uhr die Jubiläums-Radtour
mit geplanter Rückkehr gegen 17 Uhr auf den Pfingstmarkt, wo der Festbetrieb den passenden Rahmen für einen feierlichen Abschluss bildet.
Dienstag nach Pfingsten ist nicht nur der traditionelle Markttag, sondern auch Familientag mit ermäßigten Fahrpreisen.
Um 12 Uhr gibt es im historischen Schloss einen „Pfingstmarkt Empfang“, eine öffentliche Veranstaltung zum Mittagstisch.
Der traditionelle Pfingstmarkt am Dienstag mit dem jährlichen Marktrecht, das von Kaiser Maximilian II. im Jahr 1570 verliehen wurde,
bildet den Abschluss des Festwochenendes. Händler aus der Region bieten Haushaltswaren, Kleidung, Geschenkartikel und regionale
Spezialitäten wie Honig, Öle, Käse oder Likör an.
Der Merchinger Pfingstmarkt ist für viele immer wieder ein Tag des Wiedersehens und frohen Treffens.
Zum Festausklang spielt ab 17:30 Uhr der Musikverein Merchingen.
Die Stadt Ravenstein freut sich gemeinsam mit den örtlichen Vereinen und Institutionen auf alle Gäste aus nah und fern.
Folgendermaßen ist der Markt gehalten worden:
„Montags vorher abends um 4 Uhr wurde durch den Gemeinen-Knecht, welchem dafür 2 Maß Wein zugewiesen, der Markt ein- und Mittwochs hernach wiederumb in obgemellter Zeit ausgelitten, dass also die Marktfreyheit 48 Stunden anwehrt. Wenn nun solche Freyheit eingelitten, so stellt der Schultheiß die ganze Bürgerschaft uff dem Marktplatz vor dem Schloß in’s Gewehr, worauf diese Mannschaft mit klingendem Spiel durch etliche Gassen herumbziehen und sich hernach wieder uff vorigen Platz stellen, da sie von dem Schultheißen uff ihre bürgerl. Pflichen erinnert werden, wann sie von Dieberey, Schlägerey, Scheltworten und andern Ungebühren sehen oder hören, dass sie solches anzeigen sollen, allermaßen alles, was zwischen währender Marktfreyheit Sträfliches passiert, von der Dorfherrschaft abgestraft wird und darf die Centherrschaft sich dessen in keinem dergleichen Vorfällen anmaßen und Eintrag thun.
Das Standtgeldt wird vom Machtcorporal und beyden Bürgermeistern in eine verpetschirte Schachtel eingesammelt, hernach bei der Herrschaft oder deren Beambten eröffnet; davon ist vor allem for Schultheißen, Bürgermeister, Marktmeister, Corporalen und Tamboure eine willkürliche Zehrung zu geben, hernach for die Herrschaft 2/3tel genohmen und das übrige 1/3tel der Gemeinde alter Observanz nach gegeben wird. Vorher aber, wann Dienstags umb 12 Uhren der Markt angeht, ziehet die Bürgerschaft wiederumb ub, als dann wird bei dem Gewehr Macht gehalten, bis Mittwochs nach dem Ausleithen der Markt abermalen mit einem dergleichen Umbzug beschlossen wird. Außer diesem bringt die alte Gewohnheit mit sich, dass ein jeder Beck, der feil hält, dem Schützen for 2 Kreuzer Weck geben muß und ihm dagegen wieder kein Standtgeldt angefordert wird. (Dasselbe betrug noch 1816: 2 Gulden 20 Kreuzer).“
Die Feierlichkeit, mit welcher in alter Zeit dieser Markt umgeben war, ist längst dahin. Dieser Markt, kam früher für die gesamte Gegend etwa einem Winterschlussverkauf gleich. Bis zur Jahrhundertwende und darüber hinaus bis in die neunziger Jahre versorgte sich der Bauer auf diesem Markt mit allem Notwendigen, angefangen vom Taschenmesser über Strohhut und Arbeitshose bis zum Rechen, Kälberstrick und zur Kuhkette.
Es waren für die Geschäftswelt und die Gemeinde wichtige Tage. Dieser Pfingstmarkt bedeutete also ein wichtiges wirtschaftliches Ereignis. Merchingen, das vor der Zeit der Motoren einen Einwohnerstand von rund 1250 erreicht hatte, war wichtiger Handelsplatz. Hier kreuzten sich drei Handelsstraßen: Die eine stellte die Verbindung her zwischen Maingebiet und Hohenlohe und führte von Frankfurt und Miltenberg über Schwäbisch Hall bis ins Bayerische Gebiet (vom Jagsttal kommend führte sie über Merchingen und Rosenberg). Eine andere leitete die Waren von Frankreich nach Nürnberg und zog von Adelsheim her über die Dörnishöfer Heide. Schließlich führte die sogenannte „Sachsenstraße“ von Wittstadt kommend auf der Höhe an Hüngheim und Merchingen vorbei in Richtung Widdern und weiter nach Stuttgart und die Schweiz.
So fanden sich zu jedem Markt eine große Zahl von Kaufleuten, die „feilhielten“, und Kauflustige, die fleißig ihre Geldbörsen öffneten. Der Bauer erstand sich auf dem Pfingstmarkt seine persönlichen und beruflichen Bedürfnisse für das ganze Jahr. Der Händler machte sein Geschäft, und beide saßen dann noch recht lange beim ausgiebigen Vesper und guten Tropfen beisammen. Es fehlte beim Markttreiben keineswegs an froher Heiterkeit und des Abends am „ehrbaren Tänzchen“, doch alles zur rechten Zeit und im rechten Maß.
Wenn es heute auch nur noch ein einziger Markttag ist, der dazu vom Glanz und der Bedeutung früherer Jahre nur noch den Namen trägt, so möchte doch niemand den Pfingstmarkt in Merchingen missen. Er ist alljährlich ein frohes Treffen von Verwandten und Bekannten bei einem guten Gläschen. Dieser Markt, der früher für die ländliche Bevölkerung Merchingens und der umliegenden Gemeinden eine große Bedeutung hatte, ist zu einem kleinen Krämermarkt geworden, der jedoch besonders für die Jugend seine Anziehungskraft nicht verloren hat. Für die ältere Generation ist er zu einem Tag des Wiedersehens und des frohen Treffens geworden.
Überzeugen Sie sich selbst:
Der Merchinger Pfingstmarkt ist auch heute noch, nach über 450 Jahren, einen Besuch wert.




