Der Skulpturen-Radweg

Radsportler, Naturliebhaber und Freunde von Kunst und Kultur dürfen sich bei diesem Radweg auf ein ganz besonderes Fahrradvergnügen im Bauland freuen. In landschaftlich reizvoller Umgebung verbindet ein 77 km langer Skulpturenradwanderweg die touristischen Ziele der Region und wird dabei zu einem einmaligen Kunst- und Naturerlebnis.

Alle Infos über den Skulpturenradweg erhalten Sie hier: https://www.skulpturenradweg.de/

 

 Skulpturen in unserer Gemeinde:

Skulpture for the Road
von Nino Maaskola

Nino Maaskola fertigte für „Sculpture for the road“ zwei großformatige Aluminiumgüsse. Diese 1,8 m hohen Aluminiumplatten werden zerbrochen, um vier großformatige Stelen entstehen zu lassen.Die Zufälligkeit in der Entstehung der Gussoberfläche wird durch die Komponente der Zufälligkeit des Bruchs noch verstärkt. Die genauen Bruchstellen lassen sich im Detail nicht vorausplanen. Maaskola spielt hier auf verschiedene Weise mit den Gesetzmäßigkeiten des Materials Aluminium.Die gebrochenen Aluminium-Stelen werden mit Stiften zur Halterung im Boden versehen. Die Oberflächenstruktur der Abgüsse findet sich in der Unregelmäßigkeit des Blattwerks des Waldes wieder; die Aluminiumgüsse gehen durch ihre Struktur und Farbigkeit in der Baumlandschaft auf, verschmelzen mit ihr.Ab einer gewissen Größe hat ein Stein eine andere Erfahrbarkeit, wir nehmen seine Präsenz verändert wahr. So erlangen die wuchtigen Stelen von „Sculpture for the road“ eine eigene Präsenz im Raum. Mit diesem Phänomen spielt Nino Maaskola ganz bewusst: Die klaren Formen der Güsse säumen den Radweg, ihre Größe lässt sie wie ein Tor in eine andere Welt wirken. Hat der Besucher dieses erste Tor passiert, sieht er sich einem zweiten gegenüber.Diese Wegstrecke, die Distanz der beiden Tore zueinander, bildet den ganzen Erfahrungsraum der Skulptur. Die Entfernung zwischen den Toren wird zu einem eigenen Raum. Wenn der Besucher sich auf diesen Weg begibt, soll er ein besonderes Bewusstsein entwickeln, Eindrücke der Natur intensiv aufnehmen und die Welt in Relation zu sich selbst bewusst wahrnehmen.

Standort:
Ortsausgang Ravenstein Richtung Oberkessach

Über die Skulptur:
- Erbaut 2019
- L 0,15 x B 0,35 x H 1,8 m
- Aluminium

Über den Künstler:
Nino Maaskola wurde 1983 in Marburg geboren. Er studierte von 2009 bis 2015 Freie Kunst und Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Meisterschüler bei Prof. Harald Klingelhöller.Der Meisterschüler gießt Metall, darunter zumeist Aluminium, Messing und Kupfer. Maaskola ist fasziniert vom Übergang eines Zustandes in einen anderen. Der junge Bildhauer will die Essenz des Materials für sich einfangen und den Prozess des Werdens und den Wandel des erstarrenden Materials sichtbar machen.Er fertigt großformatige Skulpturen, die in die Erde gegossen sind - die Form entsteht direkt in der Erde. Die Struktur der ausgehobenen Erdform lässt in der Haut des Abgusses eine archaisch-erdige Struktur entstehen. Der Prozess sorgt für eine heterogene Oberfläche, die die Spuren des Erdreichs abbildet, Strömungen und Verwirbelungen des abkühlenden Metalls nachzeichnet – und auch Erde verbrennt, sodass sich im hellen Metall schwarze Spuren ausprägen. Erdeinschlüsse bilden Muster heraus, Wirbelstrukturen entstehen. Maaskola spricht von einer „Guss-Choreographie“ im Entstehungsprozess. Seine Skulpturen gießt er ausschließlich selbst.Die großformatigen Metallskulpturen zeigen eine klare Formensprache. Die formale Strenge der Werke wird durch das Wissen um den „zufälligen“ Entstehungsprozess ihrer Oberfläche negiert. Dieser Entstehungsprozess lässt verleiht ihnen vielmehr eine Wirkung von Ruhe und Erdung.

Leuchtschild
von Johannes Vogl & Thomas Straub

Auf der Fahrt von Ravenstein nach Rosenberg gelangt der Radler zur Gemeinschaftsarbeit von Johannes Vogl und Thomas Straub. Ein Leuchtschild ragt 10,60 Meter hoch in die Landschaft und wird zum Träger einer ausschnitthaften Baumdarstellung.Die Fläche des Schildes wurde zunächst geschwärzt, um sie dann in Abschabtechnik mit einer Kratzzeichnung zu versehen. In einer Momentaufnahme wird ein Detail eines Baumes fixiert, das sich als 1:1-Abbild je nach Standort des Betrachters optisch direkt in die real vorhandene Natur einfügt. Natur und Abbild stehen sich konkret gegenüber und offenbaren im Laufe der Jahreszeiten ein Moment von Veränderung und
Fixierung.Der reale Baum wird sich verändern, Blätter tragen, Äste verlieren oder eines Tages gar gefällt werden. Das Abbild in der Materialität des Schildes hingegen wird immer gleich bleiben. Selbst bei Dämmerung ist der Hinweis auf einen vergangenen Zustand präsent, solarbetrieben leuchtet das Schild in die Landschaft.

Standort:
Streckenabschnitt Merchingen - Bronnacker

Über die Skulptur:
- Erbaut 2005
- H 10,60 Schild: 2,10 x 1,85 m
- Verkehrsschild mit Kratzzeichnung, Stahlmast, Solarzellen, Leuchtmittel

Über die Künstler:
Johannes Vogl wurde im Jahr 1981 geborenNach einem Praktikum bei dem Bildhauer Roman Harasymiw studierte Johannes Vogl 2002-2005 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Stephan Balkenhol und Daniel Roth. 2005 wurde er mit dem Förderpreis für zeitgenössische bildende Kunst der Stadt Kaufbeuren ausgezeichnet. Im März 2005 wechselte er an die Akademie der Bildenden Künste Wien zu Prof.
Heimo Zobernig.

Thomas Straub wurde im Jahr 1976 geboren1998-2001 absolvierte Thomas Straub die Fachschule für Holzbildhauerei in Oberammergau. 2001-2003 studierte er Freie Künste an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Prof. Christian Höpfner. 2003 wechselte er zur Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe zu Prof. Harald Klingelhöller.

 

Gerüst
von Rudolf Reiber

Mitten in der Natur, fern jeglicher Bebauung, stellte der Künstler sein Gerüst auf. In Punktverschweißung fixiert, nimmt es die Form und die Ausmaße eines Einfamilienhauses, das innen begehbar etwa 500 Menschen fasst.Die einfache Grundform ist an Kinderzeichnungen angelehnt: ein Quader und ein dreieckiges Prisma ergeben ein Haus mit Giebel und Satteldach. Die Erschließung neuer Räume mag man mit diesem Gerüst in freier Natur assoziieren. Das Gerüst markiert den Beginn eines Hausbaus, zugleich erinnert es hier an das Bild einer Ruine durch die Abwesenheit des Hauses.Es ist das Spiel mit Präsenz und Absenz: Die Verpackung ist vorhanden, aber der Inhalt fehlt. Der Künstler selbst assoziiert mit der Form des Gerüsts auch eine einschiffige Basilika. Lichtdurchflutet und nach allen Seiten offen erkennt er jenes hallenartige Gebäude aus altrömischer Zeit, das ursprünglich für Gerichts- oder Marktzwecke bestimmt war. Das Gerüst mitten in der Natur mag dem einen oder anderen Betrachter auch ein Unbehagen entlocken: er wird vielleicht an die Bebauung denken, die immer auch mit Zerstörung einhergeht.

Standort:
Streckenabschnitt Hopfengarten - Merchingen

Über die Skulptur:
- Erbaut 2005
- L 10 x B 14 x H 7 m, 140m2
- Fassadengerüst

Über den Künstler:
Rudolf Reiber wurde im Jahr 1974 geboren.
1996-1999 absolvierte Rudolf Reiber eine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer. Danach studierte er bis 2004 Freie Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Werner Pokorny, Prof. Micha Ullman und Prof. Udo Koch. 2002 verbrachte er durch ein Erasmus/Sokrates Stipendium ein Auslandssemester in Vilnius (Litauen). 2005 begann er ein Aufbaustudium Freie Kunst bei Prof. Udo Koch an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 2009-2011 machte Rudolf Reiber seinen Meister an der Slade School of Fine Art in London (England).

Ohne Titel (Straße)
von Andreas Kiessling

Die asphaltierte Straße, die sich wie ein endloses Band durch die Landschaft schlängelt, wird in einem kleinen Tal nahe der Stadt Ravenstein jäh unterbrochen. Ein gestauchter Asphaltteppich türmt sich vor dem Radfahrer wellenförmig auf und macht die Weiterfahrt unmöglich. Der Asphalt, der den Weg markiert und das Reisen erleichtert, wird hier zu einem Hindernis, das die Fahrt unterbricht. Auf einer Strecke von ca. elf Metern verliert der Radweg seine eigentliche Funktion und Benutzbarkeit und wird selbst zur Skulptur. Vorbeikommende Radfahrer sind gezwungen, die asphaltierte Fläche zu verlassen und das Hindernis zu umfahren.Als wäre die Straße aus Gummi, spielt diese den Bewegungsablauf einer großen Schlange oder einer gewellten Teppichdecke nach, entfaltet die Wirkung eines mäanderartigen Ornaments oder erinnert an Wellen am Meer. Wer an gewohnten Verhältnissen festhalten möchte, so die Intention des Künstlers, wird an dieser Stelle eines Besseren belehrt

Standort:
Merchingen-Bronnacker, kurz nach Ortsausgang Merchingen

Über die Skulptur:
-
Erbaut 2005
- L 11,5 x B 3 x H 3,9 m
- Faserverstärkter Spritzbeton

Über den Künstler:
Andreas Kiessling wurde im Jahr 1975 geboren.
1997 beendete Andreas Kiessling seine Ausbildung zum Steinmetz. Vor seinem Studium der Freien Bildhauerei an der Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design Halle bei Prof. Azade Köker arbeitete er bis 2001 im Bereich Bühnenbild und Technik beim Performancetheater „Titanick“ in Münster und beim Leipziger Opernensemble. 2003 wechselte er in die Klasse Bildhauerei/Metall zu Prof. Andrea Zaumseil.

 

Ohne Titel (Bronzeriegel)
von Kestutis Svirnelis

Eine besondere Akzentuierung und Rhythmisierung erhält der Skulpturenradweg durch Bronzeriegel, die in regelmäßigen Abständen quer in den Boden eingelassen sind. Kestutis Svirnelis setzt sich mit der Bedeutung von Maßsystemen als Grundlage unseres Lebens auseinander. Nahezu alles in unserem Umfeld ist vermessen, markiert und nummeriert. Auch Wegstrecken und Landschaftsräume strukturieren sich in mathematischer Konsequenz nach Metern und Kilometern. Der Radfahrer kann den Anfangspunkt seines Weges frei wählen, jeder Bronzestreifen ist individuelle Start- und Ziellinie. Die Zeit jedoch als Maßeinheit für die zurückgelegte Distanz im Raum, erfährt bei diesem Werk eine kritische Betrachtung. Der Künstler fixiert einen einmaligen Zustand der Straße durch einen Abdruck des Bodens, der als Bronzeguss exakt an jener Stelle wieder dem Boden zurückgeführt wurde. Mit dem Bronzeguss erstarrt die Straße mit all ihren Fundstücken, die sich auf dem Boden entdecken lassen. Die augenscheinlichen Bodenmarkierungen werden zu einem Sammelsurium von objets trouvés, die wie versteinerte Fossilien erstarren. Jeder Abdruck führt einen anderen Zustand des Weges vor Augen und hält die Zeit fest. Das Werk versteht sich nicht nur als Wegbeschreibung, sondern dokumentiert mit seinen plastischen Schnappschüssen ein bestimmtes Moment an einem bestimmten Ort. Der Weg selbst, der durch den Bronzeguss eine Komponente von Wert und Kostbarkeit erhält, wird zum Ziel.

Standort:
alle 2 Km auf der Strecke

Über die Skulptur:
-
Erbaut 2005
- B 1,25 m
- Bronze

Über den Künstler:
Kestutis Svirnelis wurde im Jahr 1976 geboren. 1997-2002 studierte Kestutis Svirnelis Bildhauerei an der Kunstakademie in Vilnius (Litauen). 2002 wechselte er an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.